431 Mio € täglich, 112,5 Mrd. € bis 2030.
Das sind die Kosten für die deutsche Wirtschaft aufgrund von Hitze und dem damit verbundenen Produktivitätsverlust. [1], [2]
Deutschland hat eine Rekordhitze hinter sich. Mutmaßlich die Erste für diesen Sommer. Die erste in diesem Jahr. Jeder hat sie wahrgenommen. Es gab kein Weg daran vorbei.
Ursache für die Hitze
Die Hitzewelle ist das Ergebnis eines sogenannten Heat-Domes. Warme Luft hat sich über uns festgesetzt. Das dadurch gebildete Hochdruckgebiet hält Tiefdruckgebiete fern, die Abkühlung bringen würden. [3] Die Folge: es wird heißer und heißer. In Deutschland wurde eine Rekordtemperatur von 41,7 °C gemessen.
Der Dome konnte sich festsetzen, weil die Winde in den oberen Atmosphärenschichten, der sogenannte Jetstream, nicht stark genug waren, um ihn wegzubewegen. [5] Dies ist eine Folge des Klimawandels. Der Jetstream wird durch die Erderwärmung stetig schwächer.
Der ökonomische Einfluss auf die Wirtschaft
Energie
Wird es warm, schalten die Menschen die Klimaanlagen, Lüftungen und Ventilatoren ein. Der Stromverbrauch steigt. Ist es heiß, scheint glücklicherweise häufig die Sonne. Die Hinzunahme von klassischen, fossilen Energien ist jedoch gar nicht so einfach.
In Frankreich werden bereits mehrere Atomkraftwerke gedrosselt oder sogar ganz heruntergefahren, bspw. Nogent-sur-Seine an der Seine und Bugey an der Rhone [6] oder Bezau. [7]
Aber auch die Verbrennung von Gas und Kohle ist bei diesen Temperaturen deutlich weniger effizient, da auch sie von der Verfügbarkeit von Wasser zur Kühlung abhängig sind. Laut Allianz Trade entfallen 24 % des Stresses auf die kritische Infrastruktur auf die Erzeugung von Energie mit Kohle und Gas. [8] Der Anteil von Atomkraft beträgt 51 %.
Hieran sehen wir, dass gerade die Atomkraft extreme Effizienzeinbußen aufgrund von Hitze hat. Das macht sie noch unattraktiver, als sie durch die Abhängigkeit von den Lieferanten der Brennstäbe, dem Endlagerproblem und dem enormen Sicherheitsrisiko ohnehin schon ist.
Ein weiterer Faktor im Stromnetz ist die Effizienz von Hochspannungsleitungen. Der elektrische Widerstand von Metall steigt, je wärmer das Material wird. [9] Da die Leitungen von der Luft gekühlt werden (sollen), wird die übertragene elektrische Leistung gedrosselt. Das senkt die Effizienz des Netzes an sich. Zusätzlich können Leitungen, die sich ausdehnen, gefährlich nahe an Gebäude oder Bäume geraten, was zu Lichtbögen führen und dadurch wiederum Brände auslösen kann. Das Waldbrandrisiko ist bei heißen Temperaturen ohnehin schon hoch. [10]
Die Folgen:
- Steigende Energiepreise
- Brände oder andere Netzstörungen
Die Lösung für das Netzproblem ist ein Ausbau mit modernen Materialien, die weniger hitzeanfällig sind. Dezentrale Netze sind hervorragend zur Kombination mit erneuerbaren Energien geeignet. Denn wenn der Strom dort genutzt wird, wo er erzeugt wird, werden Übertragungsverluste minimiert.
Verkehr
Nicht nur Metall dehnt sich unter Hitze aus. Auch Asphalt und Beton sind davon betroffen. Auf einigen Straßen und Autobahnen sind sogenannte Blow-ups entstanden. [11], [12], [13]. Diese entstehen, wenn sich der Straßenbelag so sehr auszudehnen versucht, dass die einzige verfügbare Richtung nach oben ist. Die Straße wird dann unbefahrbar, bis sie repariert wird. Vorerst führen diese Blow-ups aber zu Sperrungen.
Auch die Schiene ist von der Hitze betroffen. Gleise absorbieren viel Wärme. Auch sie dehnen sich bei Hitze aus, was zu Gleisverwerfungen führen kann. [14] Selbst die Deutsche Bahn hat zwischenzeitlich gewarnt und darum gebeten, Zugreisen, sofern möglich, zu verschieben. Auch Böschungsbrände können den Zugverkehr erheblich einschränken. [15] Letztlich kann eine zu hohe Temperatur auch die Technik beschädigen. Das betrifft die Züge selbst sowie die Signalanlagen und andere Infrastruktur. [16]
Das dritte Verkehrsmittel, das von der Hitze direkt betroffen ist, ist die Schifffahrt. Niedrige Flusspegelstände führen dazu, dass Schiffe nur begrenzt beladen werden oder irgendwann gar nicht mehr (wirtschaftlich) fahren können. [17]
Die Folgen:
- Längere Lieferwege, längere Lieferzeiten
- Unsichere Fahrpläne im ÖPNV
- Reduzierte Transportkapazitäten
Landwirtschaft
Die Probleme in der Landwirtschaft gehen auf den Wassermangel bzw. die niedrigen Grundwasserpegel zurück. Selbst Sommerpflanzen, die mit den Temperaturen normalerweise klarkommen, haben Probleme, wenn das Wasser fehlt. [19] Lokale Verbote zur Wasserentnahme aufgrund des fehlenden Regens verschärfen die Situation. [20], [21], [22]
Hinzu kommen verschärfte Situationen für die Pflanzen durch invasive Arten, die aus anderen Klimazonen kommen, Schädlinge (Borkenkäfer), die in den milden Wintern in großer Zahl überleben, und genereller Stress aufgrund des extremen Wetters über das Jahr hinweg.
Die Folgen:
- Steigende Lebensmittelpreise.
- Lebensmittelknappheit (global)
Gesundheit
Für den Menschen und seine Gesundheit ist die Hitze gefährlich. Ein großes Problem speziell für Deutschland ist, dass unsere Gebäude nicht für diese Temperaturen gebaut sind. Gerade Altbauten sind für den Winter gerüstet: Sie sollen Wärme speichern und nicht wieder abgeben. Hinzukommt, dass die wenigsten Wohngebäude mit Klimaanlagen ausgestattet sind.
Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 25 °C fällt, können den Schlaf beeinträchtigen. Das kann auf Dauer tödlich werden. [23] Hitze muss aber nicht gleich tödlich sein. Folgen wie Krämpfe, schnelle Erschöpfung oder Hitzschläge sind ebenfalls wirtschaftlich relevant. Allerdings mindern auch schon nicht direkt sichtbare Effekte wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Unruhe die Produktivität. [24], [25]
Die Folgen:
- Steigende Fehlerquoten
- Steigende Ausfallquoten
- Produktivitätsverluste
- Wachsende Unfallgefahren
Blick in die Zukunft
Der Blick in die Zukunft sieht nicht gut aus. Zwar wurde erst kürzlich das drastischste Klimaszenario (RCP8.5 – die Erde würde sich bis 2100 um 8,5 Watt pro Quadratmeter erwärmen) verworfen. Das Szenario ist von einer globalen Erwärmung von fast 5 °C ausgegangen. Zur Wahrheit gehört auch, dass das optimistischste Szenario (RCP2.6 – 2,6 Watt pro Quadratmeter) ebenfalls quasi nicht mehr erreichbar ist. Die Szenarien, die jetzt wahrscheinlicher erscheinen, sind aber immer noch schlimm genug. [26] RCP6 hätte beispielsweise gravierende Folgen für Mensch und Natur, mit der eine Wirtschaft nach aktuellem Vorbild schon 2050 möglicherweise nicht mehr funktioniert.
Dazu kommt, dass Europa der sich am schnellsten erwärmende Kontinent ist. [27] Der Begriff „Globale Erwärmung“ kann irreführend sein, wenn man die lokale Wirtschaft betrachtet. Denn unter die globale Erwärmung fällt die über das ganze Jahr gemittelte Erwärmung auf der gesamten Erde. Eine globale Erwärmung von 2 °C kann den Sommer in Deutschland um 10 °C heißer machen, was wir gerade sehen.
Und am Ende bedeutet große Hitze viel Verdunstung, also viel Wasser in der Atmosphäre. Regnet dieses Wasser in Sommergewittern herunter, trifft es auf ausgetrocknete Böden und kann nicht versickern. Schnell entstehen Sturzfluten, die ganze Landstriche verwüsten können. Extreme Hitze führt zu extremen Unwettern. Das sind die häufigeren und intensiveren Extremwetter, von denen Klimawissenschaftler seit den 50er Jahren warnen.
Zusammenfassung
Fassen wir die ökonomischen Aspekte der Hitze zusammen.
Kurzfristig ist mit höherem Stromverbrauch für Kühlung und Hitzeschutzmaßnahmen zu rechnen. Gleichzeitig steigen die Stromgestehungs- und Infrastrukturkosten.
Der Verkehr auf der Straße, auf der Schiene und im Wasser ist eingeschränkt. Es gibt weniger Transportkapazität und die Verkehrsmittel werden unzuverlässiger.
In der Landwirtschaft sind die Ernten geringer. Die Lebensmittelpreise steigen.
Für viele Menschen ist Hitze eine enorme Belastung. Die Produktivität sinkt, Ausfälle und Unfälle werden häufiger.
Was nun?
Natürlich können wir alle den Kopf in den Sand stecken und warten, bis es endgültig vorbei ist. Es gibt aber auch optimistischere und proaktive Maßnahmen, die wir als Volkswirtschaft ergreifen können.
Das World Ressource Institute (WRI) hat in einer Studie festgestellt, dass jeder in Klimaschutz investierte Dollar sich zehnfach auszahlt. [28] Wir können uns also dazu entscheiden, jetzt mehr in Klimaschutz zu investieren, um die oben beschriebenen Kosten für die Zukunft zu senken. Das löst nicht die akuten Probleme (dazu gleich), aber reduziert den Schaden, der in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten andernfalls auftreten würde.
Die Folgen der aktuellen und zukünftigen Hitzewellen müssen wir durch Anpassung lösen. Energetische Unabhängigkeit mit dezentralen Netzen, erneuerbaren Energien und Zwischenspeichern, Lieferkettenmanagement und Hitzeaktionspläne helfen uns, die hohen Temperaturen im Alltag zu bewältigen.
Ich habe einen Hitzeaktionsplan mit Sofortmaßnahmen zum Download zusammengestellt. Du findest ihn hier:
Wir haben alle Mittel, Technologien und Pläne in der Hand, mit denen wir eine Verschärfung der Klimakrise abwenden und die Folgen verringern können. Wir müssen sie nur umsetzen: in unseren Unternehmen, in der Politik und privat.
Quellen:
[1] Prognos Studie für Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) – https://www.prognos.com/de/projekt/arbeitsschutz-klimawandel-hitze-wirtschaft
[2] Studie der Allianz Trade zu Hitzewirkung auf die Wirtschaft – https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/presse/2026-05-28-pm-allianz-trade-extreme-hitze-kostet-deutschland-milliarden-und-laehmt-wirtschaftswachstum.pdf
[3] Tagesschau – https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-heat-dome-mit-bis-zu-40-grad-warum-die-hitze-ueber-nrw-festhaengt-100.html
[4] Tagesschau – https://www.tagesschau.de/inland/eilmeldung-hitze-temperatur-rekord-nacht-100.html, https://www.deutschlandfunk.de/41-7-grad-in-ost-brandenburg-gemessen-weiterhin-beeintraechtigungen-im-alltag-100.html
[5] ARD Alpha – https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/klima/jetstream-wind-extremwetter-wetter-klimawandel-ozon-100.html
[6] euronews. – https://de.euronews.com/2026/06/25/frankreich-schaltet-atomreaktoren-wegen-hitze-ab
[7] Tagesschau – https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-atomkraftwerk-beznau-muss-wegen-hitze-heruntergefahren-werden-100.html
[8] Allianz Trade- https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/dokumente/2026-05-28-allianz-trade-studie-the-economic-costs-of-extreme-heat.pdf
[9] Energie Lexikon, Hochspannungsleitungen – https://www.energie-lexikon.info/hochspannungsleitung.html
[10] Deutscher Wetterdienst – https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html
[11] Tagesspiegel – https://www.tagesspiegel.de/berlin/blow-up-auf-der-autobahn-warum-strassen-bei-hitze-plotzlich-aufbrechen-15762055.html
[12] MDR – https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/beton-asphalt-blow-ups,hitze-autobahn-104.html
[13] Zeit – https://www.zeit.de/news/2026-06/26/warum-strassen-bei-hitze-ploetzlich-aufbrechen
[14] RWTH Aachen/Eurailexpress – https://www.via.rwth-aachen.de/downloads/53-57_Pfeifer_Friesen_Benz_Beleg.pdf
[15] Frankfurter Rundschau – https://www.fr.de/panorama/reisewarnung-wegen-extremwetter-deutsche-bahn-appelliert-an-fahrgaeste-94372048.html
[16] Ingenieur.de – https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/verkehr/hitzewelle-warum-die-bahn-bei-35-c-ploetzlich-probleme-bekommt/
[17] Badische Neuste Nachrichten https://bnn.de/karlsruhe/karlsruhe-stadt/knielingen/rheinpegel-in-karlsruhe-sinkt-weiter-schifffahrt-leidet
[19] Agrarheute – https://www.agrarheute.com/management/naechste-hitzewelle-rollt-landwirtschaft-neue-waermerekorde-juli-moeglich-641472
[21] Tagesschau – https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-wo-hessens-kommunen-zum-wassersparen-aufrufen-100.html
[23] euronews. –https://de.euronews.com/2026/06/22/tropennachte-in-europa-das-todliche-phanomen-hinter-der-hitze
[24] Haufe – https://www.haufe.de/arbeitsschutz/sicherheit/hitzeerkrankungen-und-erste-hilfe-massnahmen_96_628946.html
[25] Umweltbundesamt (UBA) – https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/umwelt-gesundheit/gesundheitsrisiken-durch-hitze#der-wrmeinseleffekt-mehr-tropennchte-in-innenstdten
[26] DerStandard – https://www.derstandard.de/story/3000000321363/was-die-streichung-des-extremen-klimaszenarios-wirklich-bedeutet
[27] Tagesschau / Copernicus – https://www.tagesschau.de/wissen/klima/negativ-rekord-klima-zustand-100.html und https://climate.copernicus.eu/esotc/2025
[28] World Ressources Institute – WRI – https://www.wri.org/news/release-wri-study-finds-climate-adaptation-investments-yield-massive-returns

